Welche Pillen haben ein erhöhtes Thromboserisiko?

Frage:
Welche Pillen haben ein erhöhtes Thromboserisiko?
Antwort:
Grundsätzlich gilt, dass jede Pille ein erhöhtes Thromboserisiko birgt.

Allerdings haben aktuelle Studien bestätigt, dass vor allem Pillen der 3. und 4. Generation das Risiko einer Thrombose begünstigen. Ursächlich dafür soll die unterschiedliche Wirkweise des Hormons Gestagen sein.

Warum ist das Risiko bei diesen Pillen erhöht?

thrombose-durch-pille-risiko

Inwiefern unterscheiden sich die Pillen der 3. und 4. Generation von den älteren Präparaten?

Natürlich wird Ärzten empfohlen, bevorzugt Pillen mit einem möglichst niedrigem Thromboserisiko zu verschreiben – allerdings können derzeit noch Pillen jeder Generation, unabhängig von ihren Nebenwirkungen, ärztlich verordnet werden.

Ausschlaggebend für das Thromboserisiko ist das jeweils verwendete Gestagen.

Pillen der 2. Generation sind Kombinationspräparate, die das Hormon Östrogen und den Wirkstoff Levonorgestrel als Gestagenkomponente enthalten. Diese Präparate sollen laut einer niederländischen Fallstudie das Thromboserisiko um ein fünffaches im Vergleich zu den Frauen erhöhen, die nicht mit hormonellen Kontrazeptiva verhüten.

Pillen der 3. und 4. Generation sind ebenfalls Kombinationspräparate, die allerdings das Gestagen Dienogest enthalten, welches das Risiko sogar bis zu einem siebenfachem erhöhen kann.

Video: Antibabypille erhöht Thrombose-Risiko

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Thrombose?

Bei einer Thrombose kommt es zu einem Verschluss des Innenraums eines venösen oder arteriellem Gefäßes. In den meisten Fällen sind die tiefen Beinvenen betroffen, dabei handelt es sich nicht selten um das linke Bein.

Abhängig von dem individuellen Thromboserisiko ist die Zusammensetzung der eingenommenen Pille. Minipillen, die nur ein Hormon enthalten, führen dabei deutlich seltener zu Thrombosen als Kombinationspillen mit zwei verschiedenen Hormonen.

Neben der genetischen Veranlagung und der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln gibt es viele weitere Risikofaktoren, die die Entstehung einer Thrombose hervorrufen können. Dazu gehören vor allem Faktoren wie Übergewicht, Bettlägerigkeit und Immobilität, da der venöse Rückstrom zum Herzen nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann. Auch Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Operationen führen zu Schädigungen der Gefäße und damit zu einer erhöhten Gerinnungsneigung des Blutes.

Neben dem allgemeinen Bewegungsmangel kann auch langes Sitzen, zum Beispiel im Rahmen eines Langstreckenfluges oder einer Busfahrt, das Thromboserisiko erhöhen. Dies wird dadurch begründet, dass sich beim Sitzen das Blut in den Beinvenen zurückstaut und dadurch den Blutfluss verlangsamt.

Thrombose durch die Pille? Tipps zur Verhinderung:

Grundsätzlich neigen manche Menschen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eher zu der Entwicklung einer Thrombose als andere.

Allerdings lässt sich festhalten, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, um die Risikofaktoren zu minimieren oder bestenfalls sogar komplett auszuschalten.

Um langfristig das Thromboserisiko zu verringern, sollte man für ausreichend Bewegung im Alltag sorgen.

Vermeiden Sie auf jeden Fall den Konsum von Nikotin in Kombination mit der Gestagen Antibabypille.

Außerdem sollten Sie:

  • Nicht zu fettreich essen
  • Zu große Mengen Alkohol vermeiden
  • Unnötiges Übergewicht reduzieren

Tipps gegen Thrombose in den Beinen:

thrombose-verhindern

Als Tipps gegen Thrombose in den Beinen, könnten wir direkt mit ausreichend Bewegung anfangen. Nehmen Sie beispielsweise die Treppen anstatt den Aufzug. Stehen und sitzen Sie nicht zu lange still.

  • Bewegungsübungen

Üben Sie eine Berufstätigkeit im Büro aus, dann können Sie bereits mit leichten Bewegungsübungen das Thromboserisiko senken.

Durch das Wippen mit den Zehen oder dem Kreisen der Füße wird durch das Zusammenziehen der Muskelbäuche der venöse Rückstrom zum Herzen gefördert.

  • Trinken Sie genug

Des weiteren sollten Sie, um Ihrem Thromboserisiko entgegenzuwirken, ausreichend trinken – wir empfehlen mindestens 1,5 Liter.

  • Verzichten Sie auf Nikotin

Raucher sollten ihren Nikotinkonsum möglichst einstellen. Da sich der Anfang nicht selten schwierig gestaltet, können Raucherentwöhnungskurse Abhilfe verschaffen.

  • Antithrombosespritzen vor Langstreckenflügen

Sind lange Flug- oder Busreisen geplant, dann sollten Sie am besten mit Ihrem Arzt vorher nochmal Rücksprache halten – möglicherweise verschreibt er Ihnen Antithrombosespritzen, die Sie sich selbst vor Antritt der Reise in das Unterhautfettgewebe verabreichen können.

  • Pillenwechsel

Wir empfehlen außerdem, sich bei Ihrem Frauenarzt über die unterschiedlichen Präparate und deren Thromboserisiko beraten zu lassen. Erklären Sie ihrem Arzt Ihre Bedenken und Ängste, damit Sie gemeinsam eine geeignete Pille für Sie finden können.

Bergen östrogenhaltige Pillen ein erhöhtes Thromboserisiko?

Ja, denn Kombinationspillen, welche heutzutage bevorzugt verschrieben werden, enthalten die beiden Hormone Östrogen und Gestagen.

Das erhöhte Thromboserisiko ist auch durch das weibliche Hormon Östrogen bedingt. Aus diesem Grund enthalten moderne Kombinationspräparate meist eine sehr geringe Östrogendosis.

Rauchen und die Pille: Eine gefährliche Kombination?

pille-rauchen

Fakt ist: Raucherinnen haben bereits ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko eine Thrombose zu entwickeln, da es zur zunehmenden Schädigung der Gefäße kommt.

Auch die Pille erhöht das Thromboserisiko. Beides zusammen, vor allem ab dem Alter von 30 Jahren, gilt daher als eine besonders gefährliche Kombination – das Risiko kann bis um das zwanzigfache erhöht werden, wenn mehr als zehn Zigaretten täglich konsumiert werden.

Aus diesem Grund ist es wichtig, ehrlich zum Gynäkologen zu sein wenn die unangenehme Frage bezüglich des Nikotinkonsums gestellt wird.

Im Idealfall verzichten Sie ab 30 Jahren auf die Einnahme der Pille. 

Wieso ist eine Thrombose überhaupt so gefährlich?

thrombose-gefahren

Hat sich ein venöses Blutgerinnsel gebildet, dann kann sich dieses von der Gefäßwand lösen und in die Lunge transportiert werden.

Verstopft es dort die Gefäße, dann verspüren die Betroffenen akute Atemnot – dieses Krankheitsbild wird Lungenembolie genannt und kann tödlich verlaufen. Auch Schlaganfälle und Herzinfarkte können durch Thromben ausgelöst werden und langfristige Schäden verursachen.

Ist es sinnvoll, regelmäßig eine Pillenpause einzulegen um das Thromboserisiko zu minimieren?

Früher wurde Patientinnen empfohlen, regelmäßig eine Pause mit der Pilleneinnahme zu machen. Allerdings wird davon heutzutage abgeraten. Dies wird an der Tatsache begründet, dass die Gefahr einer Thrombose in den ersten Monaten der Pilleneinnahme am höchsten ist.

Nach einiger Zeit lässt das Thromboserisiko allerdings wieder nach und gilt sogar nach 12 Monaten als sehr gering. Jedes mal, wenn man die Pille absetzten würde, müsste man daher auch wieder mit dem anfänglichem Thromboserisiko rechnen.

Aus diesem Grund sollte auf eine kontinuierliche Pilleneinnahme geachtet werden. Der Langzeitzyklus hat also eher Vorteile im Bezug auf das Thromboserisiko.

Thromboserisiko – Auf die Pille verzichten?

thrombose-auf-pille-verzichten

Sollte ich aufgrund des Thromboserisikos lieber auf die Pilleneinnahme in Zukunft verzichten?

Wenn Sie nicht rauchen, nicht übergewichtig sind und mit der Pilleneinnahme vor ihrem 30. Lebensjahr beginnen, dann ist das Risiko relativ gering.

  • Sie sind über 30 Jahre alt? 
  • Rauchen & nehmen die Pille?
  • Dann sollten Sie besser auf die Pille verzichten.

Von hoher Bedeutung ist, dass Sie die verschiedenen Symptome kennen und sich diesbezüglich selbst beobachten.

Zu den Anzeichen einer Thrombose gehören dumpfe Schmerzen entlang der Venen, Spannungsgefühle der Haut sowie ein Schweregefühle der betroffenen Extremität.

Die Haut kann an der jeweiligen Stelle kälter oder wärmer sein als die umliegenden Areale. Schöpfen Sie den Verdacht, dass Sie eine Thrombose entwickelt haben, dann sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen.

In der Regel kann eine Thrombose ohne Komplikationen therapiert werden – die Voraussetzung ist dabei, dass sie rechtzeitig erkannt wird.

Soweit muss es allerdings gar nicht erst kommen. 

Wenn Sie über 30 Jahre alt sind, die Pille nehmen und rauchen, sollten Sie dagegen eher auf die Antibabypille verzichten um das Risiko zu vermindern. 
Quellen & Links:
  • Thrombose: Ursachen, Therapien und Vorbeugung – apotheken-umschau.de
  • Pille und Rauchen: So gefährlich ist die Kombination – wunderweib.de
  • Zu 87,9 Prozent verträgt sich Pille und Rauchen nicht! – nicht-raucher-formel.de
  • Pille und Rauchen: Macht nicht den gleichen Fehler wie ich! – rtl.de
  • Oral contraceptives increase deep venous thrombosis in smoking women – ncbi.nlm.nih.gov
  • Smoking increases the risk of venous thrombosis and acts synergistically with oral contraceptive use. – ncbi.nlm.nih.gov
  • Risk prediction of developing venous thrombosis in combined oral contraceptive users – journals.plos.org
  • Use of combined oral contraceptives and risk of venous thromboembolism: nested case-control studies using the QResearch and CPRD databases – bmj.com
Artikel vom 21. November 2019
Aktualisiert am: 26. November 2019

Was this article helpful?

Ähnliche Artikel

Kommentar hinterlassen?