Ist eine Pillenpause nötig? Vor-, und Nachteile

Lesedauer: 6 Minuten
Frage:
Ist die Pillenpause noch zeitgemäß und nötig?
Antwort:
Kurz gesagt: Nein, die Pillenpause ist nicht nötig. Warum das so ist, erfahren Sie jetzt im Detail.

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Das wichtigste in kurzen Fragen & Antworten:

Hat die monatliche Blutung einen Vorteil?
Die Pause ruft einen künstlichen Hormon-Stopp hervor. Es ist also nur eine Abbruchblutung und nicht um eine gewöhnliche Menstruation.
Aber reinigt die Pillenpause nicht den Körper?
Eine Reinigung durch die Menstruation ist nicht bewiesen. Im Gegenteil, es können sogar Infektionen begünstigt werden. Schließlich kann sich eine Art Eintrittspforte für Erreger öffnen.
Aber die Monatsblutung zeigt mir das ich nicht schwanger bin?

Die Abbruchblutung ist kein Zeichen dafür das Sie nicht schwanger sind. Es kann sich schließlich auch um eine Einnistungsblutung handeln.

Zudem können auch noch im ersten Trimester Schmierblutungen bilden, welche leicht mit der Abbruchblutung verwechselt werden können. Die einzige wirkliche Information welche uns die Abbruchblutung gibt, lautet: Es existiert eine Gebärmutter.

Ist das Thromboserisiko ohne Pillenpause erhöht?

Nein, zwar werden insgesamt bei durchnehmen der Pille mehr Hormone zu sich genommen, aber Vergleichsstudien konnten kein erhöhtes Risiko beweisen.  Es wird sogar eher vermutet das dies ein Vorteil für das Thromboserisiko ist.

Denn bei der normalen Einnahme mit der ständigen Pillenpause, schwangt der Hormon Spiegel hin und her. Was das Gerinnungssystem immer wieder anregt. Beim Langzyklus bleibt der Hormon-Spiegel allerdings gleich.

Gibt es trotzdem eine Blutung?
Nein. Frauen welche mit dem Langzyklus beginnen, können anfangs noch leichte Zwischen-, und/oder Schmierblutungen bekommen. Diese lassen allerdings nach einige Wochen allerdings nach und es entstehen gar keine Blutungen mehr. 
Was ist sicherer? Mit oder ohne Pillenpause verhüten?

Wenn Sie die Pille durchnehmen, verhüten Sie generell sicherer als wenn Sie ständig eine Pause einlegen. Alleine schon weil das Risiko einer vergessenen Pille drastisch reduziert wird.

Aber auch da ohne der Pillenpause das follikelstimulierende Hormon (FSH) nicht ansteigt. Wenn also eine Pille im Langzeitzyklus vergessen wird, ist ein spontaner Eisprung deutlich unwahrscheinlicher als wenn Sie die Pillenpause nutzen.

Schadet es, wenn die Periode dauerhaft ausbleibt?

  • Nein

Frauen glauben oft, sie bräuchten eine Pause, um wenigstens alle paar Monate eine Periode zu bekommen. Aber Fakt ist, dass sie das nicht brauchen, um gesund zu bleiben.

Es gibt ohne der Abbruchblutung keine negativen Effekte. Denn der Hormonspiegel bleibt gleich, es baut sich nichts auf im Uterus. Je länger Sie die Pille nehmen, umso dünner wird die Gebärmutterschleimhaut.

Wie nehme ich die Pille durchgängig?

Normalerweise nehmen Sie 21 Hormonpillen und 7 inaktive Pillen. Letztere lösen dann die Periode aus.

Wenn Sie die Pille durchgängig nehmen wollen, überspringen Sie die hormonfreien Pillen und beginnen einfach mit der nächsten Packung.

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Hat die Pause einen medizinischen Grund?

Nein, es ist nicht nötig die Pillenpause einzulegen und einen gesundheitlichen Vorteil hat man dadurch auch nicht wirklich. 

Diese Erkenntnis gab die britische Faculty of the Royal College of the Obstetricians and Gynaecologists (kurz: FSRH) bekannt. Quelle

Eine entsprechende Leitlinie wurde angepasst. Darin wird nun empfohlen, die Pille durchzunehmen oder eine lediglich viertägige Pause einzulegen.

Denn, so die Experten, für die siebentägige Pause gibt es keine medizinischen Gründe.

Frauen können daher eigentlich auch direkt eine Jahrespackung verschrieben bekommen, anstatt die 3 Monatspackung.

Gibt es andere Gründe für die Pillenpause?

Die hormonfreie Zeit hat eher psychologische Gründe.

Sie ist eingeführt worden, damit die Frauen jeden Monat sicher sein können, nicht schwanger zu sein. Durch die regelmäßige Blutung sollten sich die Frauen normal fühlen.

Doch die Periode in der Pillenpause bedeutet nicht, dass keine Schwangerschaft vorliegt. Sicherheit bietet nur ein Schwangerschaftstest.

Pope Pius XII pillenpause

Auch der Papst spielt eine Rolle

Die Pillenpause habe auch beim Papst (Pope Pius XII) Verständnis für das Verhütungsmittel wecken sollen, berichtet Professor John Guillebaud. Quelle

Der Gynäkologe Rock (mittlerweile verstorben) sei an klinischen Tests zu Zeiten der Einführung (1958) der Antibabypille beteiligt gewesen. Quelle.

Dieser habe versucht, die katholische Kirche von einer Freigabe der Pille zu überzeugen.

Sein Argument: Die Pillenanwendung sei lediglich eine präzisere Art der kirchlich erlaubten Kalendermethode. (Knaus-Ogino-Rechenmethode)

Die Pille sollte durch die Pillenpause als natürlich wahrgenommen werden.

Damit wurde also versucht die Pille als „natürliche Verhtüngsmethode“ glaubhaft zu machen und damit eine akzeptierte Form der Geburtenkontrolle einzuführen. Tatsächlich ist also sogar der Papst mit daran beteiligt warum es heutzutage noch eine Pillenpause git.

Hormonentzug mit der Pillenpause?

Dem normalen Zyklus möglichst nahezukommen, hält auch Ludwig Kiesel, der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde an der Universitätsklinik Münster, für wünschenswert.

  • Es sei jedoch nicht für alle Frauen das Beste, immer wieder Perioden zu haben.

Manche Frauen würden nämlich auf die Pillenpause negativ reagieren. Das sei besonders bei Frauen ab 40 Jahren der Fall. Der Körper bilde ab diesem Alter von alleine weniger Hormone. In der Pillenpause sei der Hormonpegel dann zu niedrig.

Generell wird für viele Frauen das ständige auf und ab der Hormone mit mehr negativen Effekten als mit positiven Eigenschaften verbunden.

Welche Folgen hat ein abrupter Hormonentzug?

Bei älteren Frauen stellen sich durch die Pillenpause Hitzewallungen, Kopfschmerzen und andere Beschwerden ein. Aber auch jüngere Frauen leiden in der Pause unter Kopfschmerzen. Andere Frauen klagen über schmerzhafte Perioden.

Die durchgängige Einnahme der Pille sei auch für sie eine Erleichterung, sagt Sarah Hardman, die Co-Direktorin der Clinical Effectiveness Unit an der FSRH. Quelle 1 Quelle 2

Ohne Pause = effektiverer Schutz vor Schwangerschaft?

Durch eine entfallende oder verkürzte Pillenpause reduzieren Frauen zudem das Risiko, wegen Einnahmefehlern schwanger zu werden.

Denn der Beginn und das Ende des pillenfreien Intervalls sei die gefährlichste Zeit für Einnahmefehler, sagt Diana Mansour, die Vizepräsidentin für Klinikqualität an der FSRH. Quelle

Es kann also deutlich sicherer sein die Pille durchzunehmen, denn dadurch würden sich auch weniger Fehler einschleichen.

Artikelempfehlung:

Eine Pause pro Jahr reicht

Da an dem Thema weiter geforscht wird, ist noch nicht ganz sicher, wie oft und wie lange Frauen eine hormonfreie Zeit einlegen sollten.

Zur Sicherheit sollte einmal pro Jahr eine Pause eingelegt werden, so Kiesel.

Die Gebärmutterschleimhaut bekommt dauerhaft Hormone. Es gibt wenig Gründe zur Sorge das diese sich abbluten könnte und somit im Extremfall Krebs entstehen könne.

Fazit: Die Pillenpause ist nicht nötig

Eine 7 tätige Pillenpause, jeden Monat? Das muss schon längst nicht mehr sein. Es ist möglich ohne Bedenken die Pille einfach durchzunehmen und somit nicht zu in die Abbruchblutung zu gelangen.

Die monatliche Blutung hat aus medizinischer Sicht keinen Vorteil
Quellen & Links:
  • Is it OK to take the pill every day without a break? – bbc.com
  • No Health Benefit From 7 Day Break From The Pill – medscape.com
  • Women can receive a year’s supply of contraception at first consultation – nursinginpractice.com
  • The 7-day contraceptive hormone-free interval should be consigned to history FREE – srh.bmj.com
  • Darum musst du nicht bluten, wenn du die Pille nimmst – quarks.de

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