Ist die Pille danach Mord?

Lesedauer: 8 Minuten

Frage:
Ist die Pille danach Mord?
Antwort:
Die kurze Antwort auf die Frage, ob die „Pille danach“ Mord sei, lautet „Nein„.

Da weder eine Abtreibung noch eine Fehlgeburt die Folge der „Pille danach“ ist, kann diese nicht mit einer Abtreibungspille verglichen werden.

Die Pille danach ist eine Notfallverhütung 

Die „Pille danach“ kann dabei helfen, eine Schwangerschaft zu verhindern. Bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft funktioniert die „Pille danach“ aber nicht. Sie muss innerhalb von 120 Stunden, also 5 Tagen, nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

Nachfolgenden werden die wichtigsten Unterschiede zwischen der „Pille danach“ und einer Abtreibungspille zusammengetragen.

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Unterschied „Pille danach“ und Abtreibungspille?

Warum werden die „Pille danach“ und die Abtreibungspille miteinander verwechselt? Zum einen herrschen einige Unsicherheiten, wie die „Pille danach“ funktioniert.

Zum herrscht in einigen Kreisen Uneinigkeit darüber, wann eine Schwangerschaft beginnt. Nach dem Geschlechtsverkehr dauert es bis zu einer Woche, bis die Frau schwanger ist.

Dieser komplexe Prozess vom Geschlechtsverkehr bis zur Schwangerschaft umfasst eine Reihe von Schritten:

  • 1. Schritt: Das Ei wird in den Eierstöcken freigesetzt (Eisprung)
  • 2. Schritt: Ein Samen dringt in eine Eizelle ein (Befruchtung)
  • 3. Schritt: Die Einbettung einer befruchteten Eizelle (oder Zygote) in der Gebärmutter (Implantation)

Die Medizin definiert die Schwangerschaft mit der Einbettung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter, also dem dritten, oben beschriebenen Schritt. Einige Kreise aber glauben, die Schwangerschaft beginne mit der Befruchtung.

Die vorhandenen Unsicherheiten über die Wirkungsweise der „Pille danach“ rühren daher, dass geglaubt wird, sie könne nach der Befruchtung wirken.

Die bisherigen Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass die „Pille danach“ wirkungslos ist, wenn die Befruchtung bereits stattgefunden hat.

Wie funktioniert die „Pille danach“?

Gemäß aktuellen Forschungsergebnissen, verzögert oder verhindert die „Pille danach“ hauptsächlich den Eisprung. Auch die Befruchtung kann durch die „Pille danach“ verhindert werden.

Soweit bekannt ist, ist die „Pille danach“ nach diesem Zeitpunkt wirkungslos. Sie verhindert weder, dass sich das befruchtete Ei in der Gebärmutter einnistet, noch beeinträchtigt sie eine bereits implantierte Zygote.

Einige Forscher haben sich 2015 mit der Frage beschäftigt, wie die „Pille danach“ wirke. Sie argumentierten, dass die „Pille danach“ zu effektiv sei, um nur im Ovulationsstadium zu wirken und kamen zum Schluss, dass sie wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Befruchtung hat. Ob dies zutrifft oder nicht, wissen wir nicht.

Einige Autoren gaben 2019 an, dass ein Nachweis, dass die „Pille danach“ keine Wirkung hat, nachdem ein Ei befruchtet ist, möglicherweise wissenschaftlich nicht möglich sei. Sie betonen, dass der beste Beweis, den sie haben, sei, dass die Notfallverhütungs-Pille nach der Befruchtung scheinbar nicht wirken.

Dabei muss aber beachtet werden, dass nach der medizinischen Standarddefinition die Schwangerschaft erst mit der Einnistung des befruchteten Eis in die Gebärmutter beginnt.

Sind Blutungen nach der Einnahme normal?

Nicht häufig aber doch immer wieder zu bemerken sind Vaginale Blutungen nach der Einnahme der Notfallpille.

Die Blutungen werden durch die Hormone verursacht, die in der „Pille danach“ und anderen Notfallverhütungspillen enthalten sind. Diese Blutungen sind im Normalfall nur leicht und enden alleine wieder.

In seltenen Fällen kann eine Blutung auch durch etwas Schwerwiegenderes verursacht werden. Wenn Sie Folgendes bemerken, sollte ein Arzt aufgesucht werden:

  • ungewöhnlich starke Blutungen
  • Blutungen, die länger als ein paar Tage anhalten
  • Blutungen, die von anderen Symptomen wie Krämpfen oder Schwindel begleitet werden

Wie wirksam ist die „Pille danach“?

Da durch die „Pille danach“ eine Schwangerschaft verhindert wird, ist eine Messung der Wirksamkeit schwierig. Für eine genaue Messung müsste man wissen, wie viele der Frauen, die die „Pille danach“ eingenommen haben, ohne die Einnahme tatsächlich schwanger geworden wären.

Deshalb sind die meisten Kennzahlen über die Wirksamkeit der „Pille danach“ lediglich Schätzungen. Die Hersteller der „Pille danach“ geben an, dass diese zu

  • 95% wirksam ist, wenn sie innerhalb von 24 Stunden nach dem Sex eingenommen wurde.
  • 61% wirksam ist, wenn sie zwischen 48 und 72 Stunden nach dem Sex eingenommen wurde.

Forscher haben diese Schätzungen in Frage gestellt. Studien legen nahe, dass die „Pille danach“ und Minipillen eine Schwangerschaft zu 52 bis 100% verhindern.

Die Hersteller der „Pille danach“ empfehlen, diese innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einzunehmen. Jüngste Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass die „Pille danach“ bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wirksam sein kann.

Studie:
  • https://ec.princeton.edu/questions/EC-Review.pdf

Wie funktioniert eine Abtreibungspille?

Abtreibungspille

Bei einer Abtreibung werden zwei Medikamente verabreicht.

Das erste Medikament ist Mifepriston. Durch dieses wird Progesteron, ein Hormon, das für das Weiterbestehen der Schwangerschaft benötigt wird, blockiert.

Das zweite Medikament ist Misoprostol. Nach der Einnahme von Misoprostol werden Kontraktionen verursacht, die den Fötus aus dem Uterus befördern.

Eine Pille danach verhindert dagegen eher eine Schwangerschaft, und ist daher im Gegensatz zu einer Abtreibungspille kein Mord.

Was passiert, wenn ich bereits Schwanger bin?

Wenn die Patientin bereits schwanger ist, funktioniert die „Pille danach“ nicht.

Es gibt nur wenige Studien, die die Auswirkungen der Einnahme der „Pille danach“ auf eine bestehende Schwangerschaft untersucht haben, diese zeigen aber, dass die Pille dem Fötus nicht zu schaden scheint.

Beeinträchtigt die „Pille danach“ die künftige Fruchtbarkeit?

Die „Pille danach“ hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Sie verhindert weder eine künftige Schwangerschaft noch erhöht sie das Risiko einer Fehlgeburt.

Es gibt keine Obergrenze, wie oft die „Pille danach“ eingenommen werden darf.

Artikelempfehlung:

Wer kann die „Pille danach“ einnehmen?

Wer Antibabypillen einnehmen kann, kann wahrscheinlich auch die Pille danach einnehmen.

Tatsächlich überwiegen gemäß den festgelegten medizinischen Zulassungskriterien die Vorteile der Verwendung von Notfallverhütungs-Pillen fast immer die Risiken.

Wer sollte die „Pille danach“ nicht einnehmen?

Eine neuere Studie vom Januar 2019 legt nahe, dass die Pille danach bei Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25 nicht so wirksam ist.

In einer Studie von 2011 wurde festgestellt, dass Frauen mit einem BMI von über 30 im Vergleich zu Frauen mit einem BMI von unter 25 dreimal häufiger schwanger geworden sind, obwohl sie Notfallverhütungspillen einnahmen.

Weiter wurde in einer Studie von 2014 berichtet, dass bei Frauen mit einem höheren BMI die Wirksamkeit der „Pille danach“ und anderen Notfallverhütungs-Pillen abnimmt.

Eine weitere Studie von 2016 hat gezeigt, dass die doppelte Dosis der „Pille danach“ die Wirksamkeit bei Personen mit einem BMI von über 25 erhöhen.

Dies alles bedeutet nicht, dass Frauen mit einem BMI von über 25 auf die Einnahme der „Pille danach“ verzichten sollte. Wenn es die einzige Option ist, die zur Verfügung steht, ist es wirkungsvoller, als gar nichts einzunehmen. Aber berücksichtigt man die verminderte Wirksamkeit, sind die nachfolgend erwähnten Notfallverhütungs-Optionen für Frauen mit einem BMI von über 25 besser.

Gibt es Nebenwirkungen?

Die Nebenwirkungen der Notfallpille fallen normalerweise mild aus.

Dies können sein:

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • unregelmäßige Menstruation
  • leichte Bauchschmerzen oder Krämpfe
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • ungewöhnliche Flecken oder Blutungen

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Welche Notfallpille ist die stärkste?

Ulipristalacetat ist der effektivste und stärkste Wirkstoff der verfügbaren Notfallpillen. Der Wirkstoff wird unter dem Handelsnamen ellaOne vertrieben. Diese scheint wirkungsvoller zu sein als die gängige „Pille danach“ mit Levonorgestrel.

Eine Studien-Zusammenfassung aus 2012, die auf Daten aus klinischen Studien basiert, legt nahe, dass ellaOne bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr in etwa gleichem Maß die Wirksamkeit beibehält. Daher ist ellaOne gegenüber anderen Notfallpillen, wahrscheinlich die bessere Wahl, wenn seit dem Geschlechtsverkehr mehr als 24 Stunden vergangen sind.

Zudem verändert sich bei der ellaOne die Wirksamkeit bei Frauen mit einem höheren BMI nicht. Für Frauen mit einem BMI von 25 oder höher ist es die wirksamere Option.

Ist die „Pille danach“ die einzige Option im Notfall?

Die Pille danach ist nicht die einzige Option.

Die wirksamste Form der Notfallverhütung sind Kupfer-Spiralen. Diese werden daher auch oft „Spirale danach“ genannt.  Wenn sie innerhalb von 5 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden, wird eine Schwangerschaft zu 99 % verhindert.

Wo kann man die Pille danach erhalten?

Die „Pille danach“ und reine Progestin-Notfallverhütungs-Pillen sind rezeptfrei erhältlich.

Es muss kein Ausweis vorgelegt werden. Der Erwerb ist in normalen Apotheken, Notfallapotheken und Krankenhäusern möglich. Es ist allerdings ein aufklärendes Gespräch mit dem Apothekenpersonal erforderlich.

Was kostet die Pille danach?

Die Kosten bewegen sich zwischen 30 und 50 EUR. Generika-Medikamente sind normalerweise billiger und ebenso wirksam.

Die bekannte ellaOne kostet normalerweise um die 35 EUR. Über das Internet ist die Pille danach weiterhin verschreibungspflichtig. Kann aber auch mittels Online Rezept bestellt werden.

Vorteile vom Online Rezept Service:

  • Kann am Handy oder Computer gemacht werden
  • Keine Öffnungszeiten, keine Wartezeiten, jederzeit möglich
  • Online Rezeptausstellung benötigt nur wenige Minuten
  • Versand mittels Express (24 Stunden)
  • Kann auch auf Rechnung oder in Raten bezahlt werden

Besonders die Möglichkeit die Pille danach auf Rechnung zu erhalten, ist über das Internet ein großer Vorteil. Somit können Frauen „die Pille danach“ erhalten, auch wenn dafür aktuell kein Geld vorhanden ist. Die Rechnung kann dann bis zu 14 Tage später beglichen werden. Erst dann kommen die ersten Zahlungserinnerungen und Mahnungen vom Rechnungsunternehmen.

Was ist, wenn die Notfallverhütungs-Pille nicht mehr eingenommen werden kann und Unsicherheit darüber besteht, ob die Schwangerschaft fortgesetzt werden soll?
Es gibt immer noch die Möglichkeit, die Schwangerschaft zu beenden. Wenn Unsicherheit über die Fortsetzung der Schwangerschaft besteht, gibt es eine Reihe von Stellen, die die betroffenen Frauen bei einer fundierten Entscheidung unterstützen. Der Frauenarzt, die Frauenärztin oder Beratungsstellen helfen bei der Entscheidung weiter.

Fazit – Notfallpille ist keine Abtreibungspille

Die „Pille danach“ ist nicht das gleiche wie eine Abtreibungspille. Die Abtreibungspille beendet eine bestehende Schwangerschaft in einem frühen Stadium.

Im Gegensatz dazu verhindert die „Pille danach“ eine Schwangerschaft, wenn sie innerhalb von 5 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird, indem sie den Eisprung verzögert oder verhindert.

Quellen & Links:
Artikel aktualisiert am: 14. Januar 2020

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